Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch

Die im Jahr 2023 veröffentlichten Studienergebnisse zum Thema sexueller Missbrauch in der Kirche sind ein erneuter, schmerzhafter Anlass zur Selbstreflexion und zum entschlossenen Handeln.

Als Katholische Kirche im Bistum St.Gallen nehmen wir die Ergebnisse sehr ernst. Wir sind tief betroffen über das Leid, das Menschen durch Taten erfahren haben, die im klaren Widerspruch zur Botschaft des Evangeliums stehen.

Unser Einsatz im Bistum St.Gallen

Der Schutz und das Wohl der uns anvertrauten Menschen, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftigen Personen, stehen für uns an erster Stelle. Deshalb hat die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen mit der Abteilung Schutz und Prävention in den vergangenen Jahren umfassende Massnahmen ergriffen, um Machtmissbrauch zu verhindern und Aufarbeitung zu gewährleisten.

 

Unsere Massnahmen gegen Missbrauch:

Schutzkonzept

2024 haben das Bistum St.Gallen und der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen gemeinsam ein Schutzkonzept erarbeitet. Dieses umfasst Massnahmen und Vorgehensweisen zur Förderung und zum Schutz der seelischen, geistigen und körperlichen Integrität der Menschen im Bereich des Bistums St.Gallen. Es setzt eine Kultur der Achtsamkeit voraus und fördert diese zugleich. Jenseits von konkreten Einzelmassnahmen geht es um die Verankerung und Pflege einer achtsamen Grundhaltung im Umgang mit sich selbst und miteinander, mit Kindern und jungen Menschen, mit Angestellten und Freiwilligen.

Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe

Bereits seit 2002 steht bei sexuellen Übergriffen oder Grenzverletzungen durch eine in der Kirche angestellte oder freiwillig tätige Person das Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe des Bistums St.Gallen zur Verfügung. Dieses arbeitet im Auftrag des Bischofs und ist die zentrale Anlaufstelle für Opfer und Täter sowie für indirekt Betroffene. Mit den zuständigen Ansprechpersonen besprechen Betroffene mögliche weitere Schritte, etwa eine Aufarbeitung, eine allfällige begleitete Konfrontation oder die Vermittlung an eine weitere Fachstelle.

Ombudsperson

Seit 2017 stehen Ombudspersonen den Mitarbeitenden, Räten und Freiwilligen bei physischer und psychischer Gewalt, Mobbing, Arbeitsplatzkonflikten und emotionalen Grenzverletzungen zur Verfügung. Erfahrene Mediatorinnen und Mediatoren unterstützen dabei, den Konflikt zu beenden, zu regeln und zu verarbeiten. Die Fachpersonen begleiten Betroffene bei Bedarf auch zu einer passenden Fachstelle. Die Ombudspersonen arbeiten wie das Fachgremium unabhängig und vertraulich. Sie können für Themen wie Mobbing/Cybermobbing oder unüberbrückbare Differenzen am Arbeitsplatz angefragt werden.

Unabhängige Meldestellen

Seit Anfang 2025 können sich Betroffene in der ganzen Schweiz an die professionellen kantonalen Opferberatungsstellen wenden. Diese sind unabhängig von der Kirche. Die Beratungsstellen und ihre Angebote sind über www.opferhilfe-schweiz.ch erreichbar.

Damit unsere 
Kirche ein sicherer und würdiger Ort 
für alle Menschen bleibt.

Betroffene in den Mittelpunkt stellen

Als Kirche haben wir die Verantwortung, mit offenen Augen und einem offenen Herzen zu handeln. Dazu gehört auch die aktive Unterstützung von Betroffenen. Wir bieten Beratung, Begleitung und finanzielle Hilfe an, um individuelle Wege der Heilung zu fördern. Gleichzeitig sind wir bemüht, auf mögliche strukturelle Schwachstellen hinzuweisen, die Missbrauch begünstigen könnten, und diese zu beseitigen.

Eine Kirche des Vertrauens und der Sicherheit

Wir wissen, dass nur konsequentes Handeln verlorenes Vertrauen wieder aufbauen kann. Die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen verpflichtet sich, diesen Weg weiterzugehen – entschieden, transparent und mit aller Kraft. Jede Form von Missbrauch ist ein Verrat an der Botschaft Christi, die von Liebe, Schutz und Gerechtigkeit geprägt ist.

Wir bitten um die Unterstützung aller Gläubigen, damit unsere Kirche ein sicherer und heiliger Ort für alle Menschen bleibt. Gemeinsam wollen wir weiter daran arbeiten, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine Zukunft zu gestalten, die frei von Missbrauch ist.

VIDEO – 06.03.2026

Die Thematik ernst nehmen und dran bleiben

00:40 Minuten

Dolores Waser Balmer, 
Präventionsbeauftragte im Bistum St.Gallen